Wo ist die Grenze der Toleranz?

Wie meine Leser vieleicht wissen, bin ich ein Anhänger der Toleranz von Andersgläubigen, gemäß dem Gebot „Liebe deinen Nächsten, wie dich selber“, genauso, wie dass man durch abgrenzung nichts bewirkt. Vor der Toleranz kommt aber noch die Akzeptanz von Ähnlichglaubenden. Aber wo ist denn jetzt die Grenze? Es gibt ja heutzutage alle Abstufungen des Glaubens. Z.B. wenn jemand an Jesus als Gottes Sohn glaubt, jedoch nicht an die Bibel, muss ich ihn dann liebevoll erklären, dass das kein Glauben ist, oder ist es das schon, vergleichbar mit dem Räuber, der neben Jesus am Kreuz hang, ihn als Messias annahm, wahrscheinlich jedoch nicht an Gottes Wort glaubte. Oder andersherum, jemand der an die Bibel glaubt, jedoch das mit dem Sohn Gottes nicht so ganz wörtlich nimmt. Ab wann kann ich sagen, der ist ok, das was der glaubt ist richtig und der ist mein Bruder/Schwester, und das was der glaubt ist nicht ok, muss ich „als falsche Lehre abtun“ und „Bekehren“?

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2 Responses to Wo ist die Grenze der Toleranz?

  1. Hi Mannsven

    Gleich vorne weg: Wir werden nie den Punkt erreichen an dem alle Christen sich in allen theologischen Fragen einig sind.
    Die Grenze die du hier ziehen möchtest wurde und wird in Kirchen ja sehr unterschiedlich eng gezogen. Manchmal auf sehr lieblose unbiblische Art.

    Mir sind da erst einmal zwei Punkte sehr wichtig:
    Erstens: Die Einstellung des anderen hindert mich nicht daran ihn zu lieben und ich definiere den anderen nicht ausschließlich an der einen Meinungsverschiedenheit. (Beobachte ich oft wenn Christen über Homosexualität reden.)
    Zweitens: Ich beziehe klar Stellung zu dem Thema. Das verbreiten falscher Lehre sollten wir keinesfalls schweigend hinnehmen.

    Bei der ganzen Diskussion sollten wir aber auch gucken welchen Stellenwert das Thema hat.
    Die von dir Angesprochenen sind sehr elementar. Wer die Bibel ablehnt kann mir nicht erzählen Christ sein und ich würde dann auch stark bezweifeln, dass derjenige sich intensiv mit der Bibel oder dem Christsein auseinandergesetzt hat. (Ich denke schon, dass der Mann, der neben Jesus gekreuzigt wurde an Gottes Wort glaubte. Immerhin sagt dieses ja erst, dass es so etwas wie einen Messias überhaupt gibt.)
    Bestimmte Überzeugungen definieren das Christentum ja erst: Z.B: Es gibt nur einen Gott. Jesus ist am Kreuz für uns gestorben. Etc.
    Zu diesem Themen macht die Bibel unmissverständliche Aussagen, die wir nicht außer Kraft setzten können. (Wenn wir uns mit dem Thema vernünftig auseinandersetzten.)
    Anderes wiederum ist Interpretationssache. Da sollten wir aber nicht vergessen, dass Jesus beim Weltgericht uns nicht danach beurteilen wird, ob wir an Jungfrauengeburt oder Evolution glauben und ob Frauen bei uns predigen und Pastoren heiraten dürfen. (Matthäus 25)
    Das bedeutet jetzt aber nicht, dass du 1. Korinter 5 vergessen sollst.

    Hat das geholfen?
    Mindrevolution

  2. MentalRover sagt:

    Hi, mir ist ein dritter Punkt noch sehr wichtig geworden, der mit folgendem zu tun hat:
    „Das verbreiten falscher Lehre sollten wir keinesfalls schweigend hinnehmen.“

    Frage: Was ist denn „falsche“ Lehre? Immer nur die des anderen, oder womöglich auch mal meine eigene?

    In vielen beruflichen und philosophischen Debatten bin ich nämlich an den sehr wichtigen Punkt gekommen, dass

    a) manche Erkenntnisse und Gedanken (Interpretationen) traditionell begründet sind, aber nicht zwangsläufig einen Absolutheitsanspruch haben bzw. auch nur auf dem neuesten Stand fachlicher Erkenntnis sein müssen. Unser Erkennen ist eben nur Stückwerk, und zu leicht übernimmt man nur halb erklärte oder nur halb verstandene Dinge, sog. „Halbwissen“.

    b) speziell meine Erkenntnisse, Wahrnehmungen und Interpretationen womöglich nicht vollständig sind und daher fehleranfällig.
    Einsehen zu müssen, dass eine sozusagen „liebgewordene“ Ansicht vielleicht nicht richtig ist, ist ein sehr schmerzhafter Prozess, den wir gerne durch unterschiedliche Formen von „Rechthaben“ vermeiden wollen.

    Aus beidem folgt, konsequent gelebt, eine Offenheit, dem anderen zumindest erst einmal zuzuhören und seine Position zu verstehen zu versuchen, und meine eigene „richtige“ Lehre auch immer wieder kritisch zu hinterfragen.

    In dieser Grundhaltung bleibt man ein Lernender und dialogfähig. Ansonsten besteht die Gefahr der Verhärtung.

    Eine gute Leitfrage ist oft, wo denn eine bestimmte Interpretation oder Lehraussage hinführt, wenn man sie weiterdenkt. Z.B.: Ist das Endergebnis förderlich für Gottesbeziehung, Gottesbegegnung?
    Oder führt es eher davon weg?

    Falls Letzteres, dann sollte man dies deutlich benennen, wie Mindrevolution unter ‚zweitens‘ ausführt.

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